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Tour du Nord: Dänemark II

Zwischenspiel: Vom Bahnfahren in Dänemark


(2015-07-17)


Wiedrige Winde, das Wetter, die Topographie, zuviel Gewicht - ja, ja, die Berliner haben das Problem mit den dänischen Kalorienbomben ganz richtig erkannt -  und wohl auch zunehmend altersbedingtes Schwinden der Spannkraft behindern unser Fortkommen nicht unerheblich. Deshalb müssen wir unsere Flexibilität beim Routenumplanen verstärkt ausspielen . Auf längeren Strecken als gedacht nehmen wir die Dänische Eisenbahn in Anspruch.


 

Erste Zugberührungen waren ein wenig furchteinflößend: Anders als das gezeigte Bild vermuten ließe, quollen die meisten Wagen in der gewünschten Richtung über vor Menschen und Gepäck! Aber dann haben wir die Alternative entdeckt: Regionalzüge, in die man vollbeladen einfach so hineinradeln kann  -- sofern  nicht im Radabteil bereits 2 Räder ein Anhängerschaft und 2 Kinderwagen deponiert sind;

 


aber man hilft sich gegenseitig. Hilfe war auch erforderlich - und wurde gewährt - beim Kauf von Fahrkarten am Automaten (der einzigen vorhandenen Kaufmöglichkeit). Unsere diversen Kreditkarten mag die Dänische Eisenbahn einfach nicht und mit Bargeldscheinen kann man nicht zahlen.


 




Montag, 27.7.2015


Der Schienensprung vom Osten nach Westen bringt wildere Landschaft - und Wind aus der richtigen Richtung. Wir durchfahren den Nationalpark Thy. Im südlichen Teil beschleicht uns die Frage, ob die CDU einer solchen Auslegung des Begriffes “Nationalpark“ nicht auch hätte zustimmen können: Landwirtschaft, Besiedlung,Autostraßen, Baumfällungen, Badeleben an den sumpfartigen Seen. Anders im 'Wildreservat Thy': 2008 gegründet, soll hier v.a. die (Heide-) Dünen Landschaft 'wild' bleiben so, wie sie um 1900 als Dünenbefestigung angelegt wurde. So erleben wir unberührte Natur vom Meer bis weit ins Land. 






Weiter nördlich ein weiterer Konrast: Die Dünen stecken voller Ferienhäuser und der Radweg wird zu einer zerfahrenen Touristenanlieferungspiste. Hier der Mensch, dort Natur. 


Die Route 1, Teil der Northsea Cycle Route, die die Nordsee 6000 km umrundet, führt, am Meer entlang, durch bewachsene Dünen und Wälder. Über den teilweisen Untergrund der R a d wege schweigt der Marxens Höflichkeit, wenigstens an dieser Stelle. Und unser Fluchen hört keiner.




Völlig abgedreht fanden wir die offizielle Möglichkeit, auf den wenigen Sandstränden mit dem unheiligs Blechle hin und her sauen zu dürfen. Die meisten Strände, die wir gesehen haben, sind nämlich Stein- Kiesstrände.




Dann die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte: Hitlers Wahnvorstellung, die gesamte Küste vor Angriffen der Alliierten schützen zu können, wird in Form von Bunkerresten an den Stränden




überall sichtbar. In Hansholm konnten wir uns in einem gut erhaltenen Museumsbunker einen Eindruck vom 'Leben' der Soldaten unter der Erde machen und von deren Arbeit. Auch das Fundament der Abschussanlage für die 38cm Kanonen einschließlich der Arbeitsschritte der Startvorbereitungen haben uns sehr bewegt.




Mit der alten Feldbahn wurden die Granaten zwischen den Bunkern befördert, heute können Touristen die Dünenlandschaft der Festungsanlage und auch zwei Bunker durchfahren.






Es war eine beklemmendes Gefühl, eine solche Besichtigung als Deutsche in einem damals von Deutschen besetzten Land zu machen.




Nach der sehr schönen Jammerbucht sind wir in Hirtshals, dem Ende des Dk-Teils unserer Fahrt gelandet. Statt einiger gemütlicher Strandtage - unser Platz auf dem Camping liefert beste Voraussetzungen dafür - 






müssen wir auch hier  gegen die Unbillen des Wetters kämpfen. 24 Stunden Regen, Sturmwarnumg, Sonne, Wolken: kalt. Es beginnt mit dem Frühstück, zu dem wir in Regenklamottem zum Bäcker müssen (auf diesem Camp gibt es nichts) und endet abens im TV-Raum, über den wir wegen der Windstille sehr glücklich sind. Aber der Spaziergang im Sturm und die Brandung waren dann doch wieder beeindruckend.






Wir wollen jedoch nicht undankbar sein: Wir hatten VIER wunderbare Fahrtage, die erst abends in der Wärmestube endeten. Also keine Bräune-Neiddebatten: Wir waren fast immer bejackt. Dafür nicht einmal im Wasser (im Juli)!


Das Zelt ist dicht, der Schlafsack warm - was will man mehr? Ja, mehr Kilometer hätten wir radeln wollen, aber das war mit dem Wind, Regen, Topographie und unseren Kräften nicht vereinbar, obwohl der Energieverbrauch eher höher sein dürfte, als auf längeren, geraden und windarmen Strecken. 


Das Motto für diese Fahrt hätte sein können: Jacke aus, Jacke an. Wenn man denn eine hat. Walter war zwei Tage regenjackenlos (Altersvergesslichkeit: ist irgendwo liegen geblieben) trotz schwarzen Himmels. Also wurde erfolgreich geschoppt.



Auch die Suche unserer Räder nach einem Bummel durch den netten Badeort Lokken war erst nach längerem bangen Umherirren  erfolgreich - auch daran merkt man: wir werden nicht jünger!


Und nun warten wir hier in Hirtshals auf das Schiff, das da kommen wird, um uns nach Bergen zu bringen; aber währenddessen versäumen wir es nicht, die obligatorischen touristischen Programmpunkte - wenn auch nicht mit dem Fahrrad so doch mit dem Bus - zu absolvieren.