Skip to content

Tour du Nord: Karelische Erinnerungen

Und weiter zurück geht die Zeitreise mit unserem Ortswechsel nach Karelien.

(Zeitlicher Einschub aus 1973: Sooo nah waren Walter und Ursula Karelien bereits während ihrer Faltboottour auf dem Saima-Gewässergewirr gekommen!





... )

Aber weiter mit der karelischen Sommertour im Jahre 1990:
Wie 3 Jahre später in Lappland waren Bootsfahren mit Wildwassereinlagen und Leben in der Wildnis angesagt. Die Manschaft war noch erkennbar jünger als in Lappland; das klassische Abreise-Photo vor Großis Wohnung in Hamburg belegt es.



Auch die Art der Anreise per Fähre und Bahn, die gesamte Ausrüstung mit sich schleppend, war eher klassisch geprägt.



Den stilvollen Bahnhof (erbaut in den 1920-iger Jahren) von Lieksa gibt es noch, ziemlich vernachlässigt, aber immerhin: es fahren noch täglich 4 Züge; 2 Richtung Norden nach Nurmes, 2 Richtung Süden nach Joensuu.
Der Busbahnhof hat sich auch kaum verändert. Was haben wir hier mit den freundlichen Bediensteten Englisch und Finnisch gekauderwelscht, um die Beförderung von uns und unserem Expeditionsgepäck zu den Wildniseinsatzorten zu organisieren.



Zunächst geht es zum Ruunasee, den der obere Lieksajoki aus Russland kommend durchfließt. Die Boote sind aufzubauen und zu beladen, Trinkwasser ist aufzubereiten,



dann geht es den Lieksajoki hinab.





Wilde Biwakplätze erhöhen den Abenteuerfaktor.



Besonders respekteinflößend - hatten wir gelesen - sollte der Neitikoski (neiti = Fräulein, koski = Stromschnelle ) sein. Als wir uns ihm näherten, mussten wir doch eine nach Zivilisation riechende, dicht an die rauschende Schnelle heranreichende Aussichtsplatform zur Kenntnis nehmen! Also: Nichts wie durch, den Schwall abreiten und weiter. 1990, beim Zurückschauen auf den Neitikoski fragten wir uns: War da was?

2015 wollten wir der Sache nochmals nachgehen und haben uns Neitikoski vom besagter Aussichtsplattform angschaut.





Begutachtungsergebnis: Da steht eine nicht zu verachtende Walze im Fluss, an der man sich nur mit Mühe vorbeimogeln könnte.



Wie kamen wir da 1990, noch dazu mit beladenen Booten so nonchalant durch?

(a) Aufgrund unseres beträchtlichen zeitlichen Abstandes zum Wildwasserfahren erscheint uns die Stelle schwieriger als sie wirklich ist

(b) 1990 war ein deutlich trockeneres Jahr und der Lieksa führte weitaus weniger Wasser.

Wahrscheinlich liegt die Wahrheit in der Mitte.

Der zweite Wildniseinsatz führte 1990 an den Haapajoki.



Auch er kommt aus Russland. Die Stromschnelle unterhalb des Einsatzortes an der Flussbrücke der Via Karelia erwies sich als recht verblockt und wasserarm. Also trugen wir zur Schonung des Bootsmaterials unsere Habseligkeiten durch unwegsames Gelände um die Schnelle herum und holperten mit leeren Kanus über die Steine.



Es folgten schöne Wildnistage auf dem Haapajoki,



und am Rande des Patvinsuu-Nationalparks,



schweißtreibendes Paddeln auf dem Koiteresee



und ein Finale auf einer der berüchtigten finnischen Erdpisten. (2015 hätten wir also wissen müssen was mit dieser Art von Straßen auf und zukommt)



Solche nostalgischen Erinnerungen brachen sich Bahn, als wir 2015 an der Brücke über den Haapaboki Halt gemacht haben.



2015 führt. auch der Haapajoki ordentlich Wasser.





Wir hätten ihn bei solchen Wasserständen mit mehr Genuss befahren können. Andererseits fragen wir uns, wie wir damals. unsere Ausrüstung durch das wegelose Gestrüpp längs des Flusses haben schlepppen können.